Hat die Stadt in sein Herz geschlossen: Boris Burkert hat viele Ideen für Passau. - Foto: Kleis

Von vielen schönen Zufällen

Porträt-Serie „Unsere Bundestagskandidaten 2017“ – Heute: Boris Burkert (Bündnis 90/Grüne)

Wenn Boris Burkert über seine politische Laufbahn spricht, scheint es, als sei vieles dem Zufall zu verdanken: Der Informatiker trat den Grünen 1999 bei und rutschte 2000 auf der Parteiliste nach oben, als ein Parteikollege aus Passau wegzog. So wurde der Nachrücker zufällig zum Stadtrat: „Ich dachte mir: Eine Wohnung habe ich eh noch in Passau, dann ergebe ich mich meinem Schicksal“, scherzt Burkert, der zu der Zeit in München lebte. Auch bei den Kommunalwahlen 2002 kam er „wie die Jungfrau zum Kind. Ich ging in die Kreisversammlung hinein und heraus kam ich als Kreisvorsitzender“, erzählt er.

Auch dass er damals für sein Informatik-Studium 1983 von Ostfriesland, wo er sein Abitur machte, ausgerechnet nach Passau kam, ist einer günstigen Fügung des Schicksals zu verdanken: „Ich habe einen Bogen der ZVS, der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen, ausgefüllt“, erinnert sich Burkert. „Ich muss zugeben, Passau gab ich auf meiner Prioritätenliste an letzter Stelle an.“ Doch offensichtlich hat es ihm die Stadt sehr angetan: Seit 2000 wohnt er wieder hier, ist mittlerweile zum zweiten Mal Stadtrat und engagiert sich gesellschaftlich mit zahlreichen Initiativen.

Der Einstieg in die Politik erfolgte auch mehr oder weniger zufällig. Da ihm seine Wohnung in Heining, in der er das erste halbe Jahr seines Studiums verbracht hatte, zu abgeschieden war, zog er in eine WG. Diese Wohnung lag im Studentendorf in der Innstraße, für dessen Erhalt sich zu dem Zeitpunkt schon einige Studenten eingesetzt hatten. So kam es, dass auch Burkert sich für das im Volksmunde bekannte „Ghetto“ engagierte und 1989 bei der Gründung der Wählergruppe Studenten für Passau beteiligt war.

„Es gab immer das Vorurteil, das wären alles linksradikale Idioten. Aber im Gegenteil: Das waren alles absolute pragmatische Vollprofis, von denen ich mein Handwerk gelernt habe“, berichtet der Bundestagskandidat. Alles wurde „hochprofessionell aufgezogen“ und so erlangten die Studenten für Passau 1990 auch einen Sitz im Stadtrat, was, wie der grüne Politiker findet, eine Leistung für so eine Kleingruppierung gewesen sei.

„Ich bin im Studentendorf politisch sozialisiert worden. Deshalb bin ich heute noch in der einen oder anderen Initiative aktiv und benutze sie als Mittel für meine politischen Vorhaben“, sagt Burkert. 2007 war er Mitbegründer der Innstadtinitiative Teil II, in der vorübergehend erfolgreich für die Rückführung von Tempo 50 auf Tempo 30 in der Kapuzinerstraße gekämpft wurde. Auch jetzt wird wieder darüber diskutiert. Mit der Initiative Altstadtleben setzte sich Burkert 2013 gemeinsam mit drei anderen Bürgern für die Fortführung des Wochenmarkts am Dom ein.

Ein weiteres Projekt, das ihm sehr am Herzen liegt, ist der 2012 gegründete Verein Carsharing Passau. „Ich habe mein Leben so eingerichtet, dass es auch ohne Auto geht. Aber ab und zu brauche ich doch mal eins.“ Nachdem es das Prinzip schon in einigen Städten gab, sollten auch die Passauer Autos günstig gemeinsam nutzen können.
In der Politik sei ihm Wahrhaftigkeit besonders wichtig. Falsche Wahlversprechen, vor allem unrealistische Steuerversprechen, würden seiner Meinung nach über kurz oder lang nur zu Politikfrust führen. „Aber die Wahrheit wollen viele im Politikgeschäft auch nicht hören“, beklagt Burkert.

Fragt man ihn nach seinem politischen Vorbild, muss er kurz überlegen. „Sven Giegold“, sagt er dann. Der Abgeordnete des Europäischen Parlaments und Mitbegründer von Attac, ein globalisierungskritisches Netzwerk, beeindrucke ihn mit seinem enormen Fachwissen im Bereich Wirtschaft.Wie würde Passau aussehen, würde er das Mandat erhält? Als Mitglied des Bauausschusses würde er sich für die Entbürokratisierung des Baugesetzbuches einsetzen, das „merkwürdige Sachen“ vorgebe. „Das habe ich wahrscheinlich in meinem Beruf gelernt: Je komplexer ein Computerprogramm ist, desto schwerer sind Software-Veränderungen vorzunehmen.“ Auch dieStraßenverkehrsordnung, die teilweise noch aus der Zeit „vor dem Krieg“ stamme, will er reformieren.

Besonders wichtig ist mir…

1. Steuergerechtigkeit: Steuerschlupflöcher sollen endlich vernünftig geschlossen werden. Auch sollten Aktiengeschäfte, die im Millionsten-Sekunden-Takt geschehen, besteuert werden.
2.Verkehrspolitik: Menschen ohne Auto oder Führerschein sollen anständig mobil sein können, der Verkehr soll leiser werden und die Infrastruktur soll auch für Fußgänger und vor allem E-Bikes ausgebaut werden.
3.Grundrecht auf Wohnen: Das Recht soll politisch so organisiert werden, dass es auch verwirklicht werden kann. Man muss alles versuchen, um die Wohnungsnot zu lindern und einen anständigen Anteil an Sozialwohnungen zur Verfügung zu stellen.

VITA

Boris Burkert wurde am 9.12.1961 in Freiburg im Breisgau geboren. Es folgten Umzüge ins Ruhrgebiet und nach Ostfriesland, wo er 1981 sein Abitur in Emden absolvierte. Während seines zweijährigen Wehrdienstes machte er eine Ausbildung im Bürokaufmannswesen. 1983 begann er sein Informatik-Studium in Passau, Anfang der 90er Jahre gründete er seine Firma PipCo Grafik, in der er bis heute als Selbstständiger arbeitet. Den Grünen trat er 1999 bei, von 2002 bis 2014 war er Vorsitzender des Kreisverbands. Als Programmierer arbeitete er von 2007 bis 2012 in der msg systems AG in Passau. Seit 2014 ist Burkert zum zweiten Mal Stadtrat.

Quelle: Passauer Neue Presse vom 13.09.2017

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