"Tropfen auf dem heißen Stein": Mit Radler-Schutzstreifen, wie es sie in der Stadt auf der Innbrücke (Foto) und der Neuburger Straße gibt, wollen sich Lokalpolitiker wie Karl Synek nicht mehr zufriedengeben. - Foto: Jäger

Radler- und Tunnel-Wünsche nehmen Fahrt auf

Grüne springen FWG bei Forderung nach neuer Debatte für Radlertunnel Georgsberg bei – Verbesserungen auf Neuburger Straße Thema im Ausschuss

Passau erfuhr bei der jüngsten Erhebung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) wahrlich ein ernüchterndes Resultat. Im Test des Branchenkenners werden regelmäßig 27 Einzelpositionen des Radverkehrs in einer deutschen Stadt geprüft und anschließend mit einer Note von 1 bis 6 bewertet. Passau ist bei dieser Bewertung seit dem Jahr 2014 von 4,1 auf 4,4 abgerutscht und liegt im jüngsten Vergleich von 67 bayerischen Städten auf einem der drei letzten Plätze (PNP berichtete). Ein Status, der auch den ein oder anderen radelnden Lokalpolitiker aktiv werden und auf massive Verbesserungen pochen lässt. Nach der FWG fordern nun auch die Grünen u.a. eine erneute Debatte um den vor vier Jahren bei einem Bürgerentscheid abgelehnten Radler- und Fußgängertunnel durch den Georgsberg. Kommenden Montag stehen weitere Anträge und Konzepte für Radler-Verbesserungen – u.a. eine bereits 2011 angedachte, aber wegen des Turnhallenbaus zurückgestellte Radverkehrsführung in der Neuburger Straße – im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr auf der Tagesordnung.
„Unsere schöne Stadt ist in vielerlei Hinsicht Spitze und deshalb ist es schon sehr ärgerlich, wenn wir im Vergleich zu anderen Städten in Sachen Fahrradverkehr das Ende in Bayern, ja sogar in Deutschland bilden“, sagt Karl Synek mit Blick auf das jüngste Ranking, bei dem der ADFC 539 deutsche Städte untersuchte – darunter 67 in Bayern. „Diese negative Entwicklung widerspricht nicht nur unserem eigenen Anspruch, sie widerspricht auch unserem Stadtentwicklungsplan – Förderung und Ausbau des Radverkehrs – und dem Verkehrsentwicklungsplan – alle Verkehrsarten werden gleichartig gefördert.“
Der beabsichtigte Teilausbau der Neuburger Straße mit einem Schutzstreifen für Radfahrer sei laut Synek „nur der sogenannte Tropfen auf den heißen Stein“. „Aus diesem Grund unterstützen wir auch den Antrag der Freien Wähler-Gemeinschaft auf den Bau eines Fußgänger- und Radfahrertunnels am Ilzdurchbruch. Ebenso fordern wir unsere Stadtratskollegen auf, nicht nur guten Willen zur Umsetzung eines Radwege-Verkehrskonzeptes zu zeigen, sondern auch die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen“, appelliert Synek.
Gerade die sprunghaft ansteigende Elektromobilität bei den Radfahrern sei eine Chance für die bergige Stadt Passau, um mehr Verkehr auf die Zweiräder umzuleiten. Eine ernsthafte Förderung des Radverkehrs auf Augenhöhe mit dem Autoverkehr diene allen Verkehrsteilnehmern, meint der Grünen-Fraktionschef.

„Unser Ziel muss es sein, vom vorletzten Platz der Radfahrerfreundlichkeit in den nächsten drei Jahren wenigstens auf einen Mittelplatz vorzurücken. Wenn wir weiterhin den Radfahrern Schiebestrecken als Ersatz anbieten, dann wird das nur dazu führen, dass immer mehr vom Rad auf das Auto umsteigen“, kritisiert Synek mit Blick auf diverse Innenstadtrouten für Radtouristen und auch Einheimische.

In der Sitzung am Montag wird bereits konkreter diskutiert über Radwege im Bereich des Schulzentrums. Zudem ist die Realisierung von Radverkehrsstreifen am Rande dort neu angelegter einzelner Busbuchten angedacht. Auch die CSU pocht auf „die zeitnahe Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen für den Fahrradverkehr im gesamten Bereich von St. Anton bis zur Einmündung an der Messestraße“. Schon seit mehreren Jahren häufen sich laut CSU Wünsche und Beschwerden von Fahrradfahrern über die „nicht mehr zeitgemäße Situation“ zwischen der Kirche St. Anton und dem Wohn-, Gewerbe- und Freizeitpark Kohlbruck, sagt CSU-Fraktionschef Armin Dickl.

Zur Diskussion steht am Montag auch ein umfangreicher Forderungskatalog der FWG, der auf der Neuburger Straße „beidseitige Radwege zwischen den Einmündungen Breslauer- und Dr.-Eggersdorfer Straße“ vorsieht. Im Rahmen der unzureichenden Radverbindung zwischen Hängebrücke und Bschütt durch den unübersichtlichen nördlichen Ilzdurchbruch plädiert die FWG für eine erneute Debatte für einen Fußgänger- und Radlertunnel durch den Georgsberg zwischen Hängebrücken-Ampel und Salvatorkirche. 73 Prozent hatten beim Bürgerentscheid 2013 diesen Tunnel durch den Oberhausberg abgelehnt. Eine dabei verlangte vollwertige Alternativ-Lösung für die Radler in Richtung der Stadtteile Grubweg, Ilzstadt und Hals bzw. der Freizeitziele Bschütt und Stausee blieb allerdings aus.

„Da die im Bürgerentscheid geforderten Alternativen zu einem Geh- und Radwegtunnel sich als nicht zweckmäßig erwiesen haben, ist nach Ablauf der dreijährigen Bindungsfrist des Bürgerentscheids ein Neubeschluss des damals mit großer Mehrheit beschlossenen Tunnels notwendig“, erinnert der FWG-Antrag an ein 2012 bereits erfolgtes Plenums-Votum, das den Tunnel vorsah, danach allerdings vom Ergebnis des Bürgerentscheids ausgehebelt worden war.

Quelle: Passauer Neue Presse vom 25.05.2017
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