Karl Synek. - Foto: Jäger

Peschl-Areal: „Noch das Beste aus der Situation machen“

Karl Synek hat nach Joint-Venture des Investors Befürchtungen


Grünen-Stadtrat Karl Synek fürchtet mit Blick auf bekanntgewordene Fusionen der Düsseldorfer Gerch Group, die in Passau das 90-Millionen-Wohnprojekt „Peschl-Quartiere“ entwickelt, um die richtige Dimension des Vorhabens mit rund 400 Wohnungen auf dem einstigen 21400 qm großen Brauerei-Areal. „Wir Grünen wollen jetzt wenigstens noch das Beste aus der Situation machen. Der Gestaltungsbeirat ist ja außen vor und die Stadtplanung schaut in erster Linie auf die Einhaltung des Baurechts“, so Synek in einem Offenen Brief an OB Jürgen Dupper.

In dieser Woche war bekannt geworden, dass der Düsseldorfer Investor und Projektentwickler mit seiner Tochter Gerch Development GmbH, die das Vorhaben in Passau vorantreibt, eine Kooperation mit der Schweizer SSN Group AG eingeht. Die Schweizer, die sich u.a. auch auf Baudienstleistungen spezialisiert haben, haben die Mehrheit der Gerch Development GmbH erworben. Das neu entstandene selbstbezeichnete „Joint-Venture“ firmiert künftig unter dem Namen SG Development GmbH.

Synek befürchtet in seiner Mitteilung Schlimmeres. „Nun ist also genau das eingetreten, was schon befürchtet worden war. Der erste Käufer, die Gerch-Group, ist nur ein sogenannter „zwischeninvestierender Projektentwickler“ und kein Bauherr. Nachdem eine knappe Mehrheit im Stadtrat aus SPD und CSU eine Bruttogeschossfläche von circa 33000 qm durchgewunken hat, wurde das Gelände sofort an eine Schweizer Firma weiterverkauft“, mutmaßt Synek entgegen den in der PNP veröffentlichten Einlassungen von Gerch Group-CEO Mathias Düsterdick („Bleibe bis zur Fertigstellung verantwortlicher Ansprechpartner“) eher einen Verkauf als eine Kooperation.

OB kontert die VorhaltungenIm Rathaus sieht man nach Syneks Mutmaßungen Klärungsbedarf. „Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr hat am 24. April für den Bebauungsplan die weitere Vorgehensweise festgelegt. Deshalb wurde bis jetzt keine Entscheidung getroffen“, sagte OB Jürgen Dupper gestern gegenüber der PNP. Und weiter: „Gemischte Investoren sind in Passau nichts Neues. Beispielsweise werde das Gelände der ehemaligen Innstadt-Brauerei von einem deutsch-österreichischen Investor bebaut. Deshalb ist ein deutsch-schweizerischer Investor für das Gelände der ehemaligen Peschl-Brauerei nichts Außergewöhnliches, über das man sich besondere Gedanken machen sollte.“ Mit Blick auf Syneks Brief freue sich Dupper, „dass die Grünen-Fraktion meine Idee unterstützt, die Investoren von Wohnbauflächen zu verpflichten, einen Anteil der Wohnungen für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen“. So eine Vorgabe sei bereits dem deutsch-österreichischen Investor für das Innstadt-Areal erfolgreich auferlegt worden. Alle weiteren Festlegungen, so der OB, werden im Rahmen des Bebauungsplan-Verfahrens durch den Stadtrat getroffen. Bislang wurden lediglich verschiedene Leitlinien beschlossen, „mit denen eine vernünftige Entwicklung des Areals auf den Weg gebracht wurde“.
Die Fraktion der Grünen hatte in dem Offenen Brief auch mehrere Forderungen gestellt. Zum einen solle man „Betroffene zu Beteiligten machen und bereits ganz zu Anfang die Nachbarschaft und so weit wie möglich die späteren Bewohner in die Planungen mit einbinden“. In einem städtebaulichen Vertrag müsse auch auf die Erstellung von Sozialwohnungen bestanden werden, so der Grünen-Fraktionschef, der 20 Prozent als angemessen sieht.

Zudem sei auch darauf zu achten, ausreichend soziale und kulturelle Einrichtungen zur Erholung und Bildung im Gesamtprojekt kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Ein öffentlicher Kinderspielplatz von mindestens 500 qm mit Spielgeräten soll vom Investor errichtet werden. Ferner pocht Synek auf „die Errichtung von genügend oberirdischen Kfz-Stellplätzen und Kurzzeitparkplätzen sowie Gehwegen an den Straßenseiten mit einer Mindestbreite von zwei Metern. Carsharing und Ladestationen für Autos „gehören ebenfalls zu einer gelungenen Planung“.

Quelle: Passauer Neue Presse vom 13.05.2017
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