Umstrittener Standort: Seit 2005 steht die Messstation des Landesamts für Umweltschutz am Rande der Regensburger Straße. - Foto: Jäger

„Messstation am Stadtrand erfüllt Vorgabe nicht“

Auf Gesundheit der Passauer bedachter Stadtrat Karl Synek beantragt Verlegung der Umweltstation für aussagekräftigere Werte und auch Zuschüsse

Karl Synek macht sich Gedanken über die Gesundheit der Passauer. Deswegen pocht er auf eine Verlegung der Messstation an der Regensburger Straße, die dort seit mehreren Jahren die Luftwerte und möglicherweise schädlichen Umweltbelastungen in der Stadt festhält – und dies seiner Ansicht nach etwas beschönigend. Der Grünen-Stadtrat argumentiert, dass die Station anderswo in der Stadt, wo weitaus mehr Luftbelastungen vorherrschen, besser aufgehoben sei. Mit einer aussagekräftigeren Messung von belastenden Werten könnte die Stadt Vorkehrungen treffen, um ihre Bürger besser zu schützen. Und zudem könnte man von Bundesmitteln profitieren, die 60 deutsche Städte nach ihrem Belastungsgrad erhalten sollen.

„Die Messstation wurde 2005 vom zuständigen Bayerischen Landesamt für Umwelt im Vorgriff auf die Baumaßnahme Neue Mitte an den jetzigen Standort verlagert“, sagte gestern OB-Sprecherin Karin Schmeller auf PNP-Nachfrage. Und weiter mit Blick auf Syneks Ansinnen und Antrag: „Wir werden uns mit dem Thema in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Energie beschäftigen.“

Nach jüngsten Erhebungen und Messungen ist die Luft in Passau weitaus weniger belastet als noch zur Jahrtausendwende, bilanzierte jüngst das Rathaus mit Blick auf offizielle Werte der Messstation des Landesamts für Umwelt (PNP berichtete). Die Grünen allerdings zweifeln die Messwerte der Station an, die 2005 vom frequentierten und extrem belasteten Exerzierplatz an den Rand der Regensburger Straße umgesetzt wurde.

Die Stadt Passau soll beim zuständigen Bayerischen Landesamt für Umweltschutz die Verlegung der Luftmessstation vom bisherigen Standort in Auerbach in die Innenstadt beantragen, fordert Karl Synek nun in einem Antrag, der gestern dem Rathaus zuging. Als mögliche Standorte werden von ihm der Parkplatz vor der Nikolaschule und der Platz „Am Schanzl/Ecke Frauengasse“ vorgeschlagen.
Synek hat auch einige umweltrechtliche Vorgaben parat, die er für sein Ansinnen nutzt. „Gemäß EU-Richtlinie (2008/50/EG) ist der Standort einer Messstation so auszuwählen, dass ein angemessenes Bild der Schadstoffkonzentration als typisch für die Luftqualität in einer Stadt widergespiegelt wird. Dass diese logische Vorgabe mit einer Messstation am Stadtrand, noch dazu an einer Frischluftschneise gelegen, nicht erfüllt wird, liegt auf der Hand“, sagt der Grünen-Stadtrat. „Abgesehen von diesem für jeden Laien erkennbaren Umstand, haben aber auch Messungen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) im Jahr 2017 bewiesen, dass die Luft in der Innenstadt wesentlich schlechter ist als dies die offiziellen Messergebnisse ausweisen.“

Synek nennt Zahlen, die der VCD an maßgeblichen Standorten 2017 in Passau eruierte. So notierte die offizielle Messstation in der Zeit von 3. bis 31. Juli Durchschnittswerte von 26,8 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, während es zeitgleich in der Mariahilfstraße und in der Freyunger Straße Durchschnittswerte von 67,0 bzw. 41,7 Mikrogramm gab. Im Zeitraum vom 26. September bis 22. Oktober gab es an der Messstation an der Regensburger Straße durchschnittlich 27,4 Mikrogramm, am Anger 35,1, an der Schmiedgasse (Innstadt) 37,7 und an der Nikolastraße 34,7 Mikrogramm. Zum Schutz der menschlichen Gesundheit wurde europaweit für Stickstoffdioxid der Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm festgelegt. Zum Schutz der Vegetation wird ein kritischer Wert von 30 Mikrogramm als Jahresmittelwert verwendet.

Die offiziellen Messergebnisse werden vom Landesamt auf ein Jahresmittel von 32,9 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft für die ganze Stadt hochgerechnet. Der VCD habe laut Synek an 18 Stellen gemessen und festgestellt, dass dieser Jahresmittelwert an 14 Orten übertroffen wird. Spitzenreiter seien die Mariahilfstraße mit 82,2, die Freyunger Straße mit 51,2, die Schmiedgasse mit 45,2 und die Obernzeller Straße mit 43,8 Mikrogramm gemessenen Stickstoffdioxid-Werten. Es ist dabei von einer Messgenauigkeit von plusminus 10 Prozent auszugehen. Anzumerken sei laut Synek außerdem, dass sich nach offiziellen Angaben des Landesamtes die Luft in Passau von 2016 auf 2017 um weitere 8 Prozent verschlechtert habe.
„Diese Zahlen belegen eindeutig unsere Forderung, die offizielle Messstation an einen der von uns vorgeschlagenen Orte zu verlegen. Die Bürger der Stadt Passau haben ein Recht auf ehrliche Zahlen, welche an Stellen gemessen werden, an denen sie sich in großer Anzahl über einen längeren Zeitraum aufhalten beziehungsweise arbeiten und wohnen“, so der Antragsteller. Ohne Zweifel seien hohe Schadstoffwerte in der Luft vor allem für ältere Menschen und Kinder schwer gesundheitsschädlich. Prof. Heiner Mohnheim von der Universität Trier schätze laut Synek die Verkürzung der Lebensdauer von Menschen, die an Hauptverkehrsadern leben, auf sieben Jahre im Vergleich zur übrigen Bevölkerung.

Und nicht zuletzt aus diesem Grund habe der Bund im Dezember an 60 Kommunen insgesamt 12 Millionen Euro Fördergelder zur Bekämpfung von Dieselabgasen verteilt – vor allem für den Kauf von Elektrobussen, zusätzliche Ladestellen für Elektroautos, den Bau von Radwegen sowie für digitale Leitsysteme zur Vermeidung von Staus. „Passau war leider nicht dabei, denn wir lassen das Bayerische Landesamt für Umwelt bisher an einer unproblematischen Stelle messen“, meint Synek.

Quelle: Passauer Neue Presse vom 13.01.2018

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