Lesung an der Uni: Anna Rosmus mit Grünen-Landeschef Eike Hallitzky (r.) und dem Vorsitzenden der Passauer Grünen, Johannes Hauck. ? Foto: Lampelsdorfer

In den Untergang marschiert

Hallitzky: Demokratie ist kein Selbstläufer

In ihrem Buch „Hitlers Nibelungen“ schildert Anna Rosmus den Aufstieg der Nationalsozialisten in Bayern und Österreich. Auf Einladung der Passauer Grünen und der Grünen Hochschulgruppe zeigte die Passauer Autorin am Mittwochabend an der Uni in einer Lesung „Niederbayern im Aufbruch zu Krieg und Untergang“, stellte sich aber auch am Abend nach der US-Wahl als inzwischen eingebürgerte Amerikanerin den Fragen der zumeist studentischen Zuhörer nach Ursachen und Konsequenzen des Erfolgs von Donald Trump.

Für das 328-seitige Werk hat Rosmus eine Fülle von Details zusammengetragen, wichtige Quellen sind Zeitungsberichte aus den 20er und 30er Jahren, aber auch die Chronik des NS-Kreisleiters und späteren Oberbürgermeisters Max Moosbauer, in der dieser die Anfänge der nationalsozialistischen Bewegung in Passau akribisch zusammengeschrieben hat. Passau, so ein Jubelartikel aus den 30er Jahren, „war die einzige Stadt Deutschlands, die sich rühmen kann teilzuhaben an der Kindheit des Kanzlers“ – Hitler besuchte hier kurzzeitig die Schule, kam dann schon in den 20er Jahren mehrfach als umjubelter Volksredner in die Passauer Veranstaltungssäle.

In ihrer Lesung zeigte Rosmus Schlaglichter aus einer Grenzregion, in der Passauer und österreichische Nazis gemeinsam „in die Zukunft marschierten“ und schon früh Bande zwischen den Nibelungenstädten Passau und Linz geknüpft wurden. Sie erinnerte an den von Nazis inszenierten „Passauer Theaterskandal“ 1920, als mit Freikarten und Böllern ausgestattete Schüler der Oberrealschule die Aufführung eines dem Sozialisten Kurt Eisner gewidmeten Stücks sprengten, erwähnte frühe antisemitische Ausschreitungen etwa gegen die Familie Bernheim, Besitzer des Kaufhauses Merkur, deren Personalfest massiv gestört wurde – in Autos mussten die Beschäftigten in Sicherheit gebracht werden. 1935 mussten sie ihr Haus verkaufen, 1939 emigrierte die Familie, erst nach Frankreich, später nach Palästina.

Gibt es Parallelen zwischen dem Aufkommen des Nationalsozialismus und dem Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen in vielen Staaten? Seit 22 Jahren lebt Rosmus in den USA und schilderte den Zuhörern ihre Eindrücke. Viele US-Wähler stünden den Alltagsproblemen hilflos gegenüber, seien frustriert über marode Infrastruktur und Drogenkriminalität; das politische Establishment verabscheuten sie so sehr, dass sie sich entschieden hätten, einen Nicht-Politiker an die Macht zu bringen. Eine Stärke der Nazis sei es gewesen, Wähler auf dem Lande zu mobilisieren, indem man sich als Ansprechpartner für ihre Probleme anbietet – eine Parallele zu Trumps Wahlkampf.

Grünen-Landeschef Eike Hallitzky, der die Diskussion leitete, rief als Antwort auf das Wahlergebnis auf, sich nun selbst politisch zu engagieren. Demokratie sei kein Selbstläufer, man müsse für Werte kämpfen und zeigen, dass Zusammenarbeit der bessere Weg sei. Seine große Hoffnung: „Es sollte nicht Schule machen, dass man mit der Spaltung der Gesellschaft Wahlkämpfe gewinnt“.

Quelle: Passauer Neue Presse vom 11.11.2016
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