Diskutierten über die Subkultur: (von links) Daniel Steinberg ("Bogaloo Action Crew"), Projektentwickler Tobias Hanig und Bogaloo-Betreiber Reinhard Wimmer sowie MdB Erhard Grundl. -Foto: red

Das kulturelle Wohlgefühl

Drohendes Aus fürs Bogaloo: Niederbayerns Grüne diskutieren über die Förderung der Subkultur

Im Rahmen der Bezirksversammlung der niederbayerischen Grünen beim Kirchenwirt hat ein Gedankenaustausch mit Vertretern vom Club Bogaloo stattgefunden. Dabei unterstrich Bayerns Grünen-Vorsitzender Eike Hallitzky, dass die Kultur auf dem Lande ein wichtiger Standortfaktor sei.

Es müsse allen Politikern in Bayern klar sein, dass Gelder auch für die Subkultur bereitgestellt werden müssen, sagt Hallitzky laut einer Pressemitteilung. Reinhard Wimmer habe durch die Schließung des Clubs eine wichtige Debatte angestoßen. Es gebe auf dem Land drei wichtige Säulen, auf denen eine gesunde ländliche Entwicklung steht. „Das sind die Verteilung von Jobs und Geld, die Infrastruktur, also die Versorgung mit Ärzten, Internet und Mobilität und eben auch das kulturelle Wohlgefühl“, so Hallitzky. Nur mit den drei Faktoren könne eine echte Bindung entstehen, welche die jungen Leute wieder in ländliche Regionen zieht und hier verwurzeln lässt.

Vor dem Hintergrund des drohenden Aus für das Bogaloo hatte Mia Goller, Kreis- und Bezirksrätin sowie Bezirkssprecherin der Grünen, einen runden Tisch mit den Mitgliedern der „Bogaloo Action Crew“, welche die Demo im Dezember veranstaltet hatten, mit Club-Betreiber Reini Wimmer und Projektentwickler Tobias Hanig organisiert – damit der Diskurs im politischen Geschehen nicht wieder in Vergessenheit gerate, so Goller. Das Thema: „Was braucht die junge Kultur von uns Politikern, um bestehen zu können.“

Mit dabei war zudem Erhard Grundl, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Er betonte, wie wichtig die Subkultur gerade im ländlichen Raum sei: „Ein Club wie das Bogaloo ist ein klarer Mehrwert für Pfarrkirchen.“ Kultur, egal ob Subkultur oder Mainstream, sei kein Sahnehäubchen für die Lebensqualität. Sie sei unverzichtbar für den Zusammenhalt und für Denkanstöße in der Gesellschaft.

Auch für Hanig, der Teil des Vereins Landluft ist, der sich unter anderem in Österreich und vermehrt auch in Niederbayern mit erfolgreicher Ortsentwicklung beschäftigt, steht fest: „Kultur auf dem Land ist ein wichtiger Faktor.“ Die Kultur-Kreativ-Wirtschaft sei eben auch eine Wirtschaft und schaffe Arbeitsplätze. Er forderte, dass sich die Kommunen für neues kreatives Leben öffnen, das jüngere Generationen anspricht. Kreative Quartiere seien überlebensnotwendig für Kommunen. Dabei mache der Club „neben Co Working Spaces und modernen Bürogemeinschaften“ einen wichtigen Teil des Ortszentrums aus.

Daniel Steinberg von der „Bogaloo Action Crew“ berichtete von der Vereinsgründung, mit welcher der Betrieb des Bogaloos vereinfacht werden sollte. Zurzeit sei die Zukunft des Clubs völlig unklar. Die Vereinsmitglieder stünden aber bereit, um Reinhard Wimmer zu unterstützen.

Dabei übt die „Action Crew“ Kritik an der Informationspolitik in der Stadt. Zwar finde in einigen Wochen ein gemeinsamer runder Tisch statt, der Verein hätte sich diesen aber schon vor Wochen gewünscht, damit klar sei, mit welchem Bebauungsplan der Stadtrat aktuell arbeite. Bürgermeister Wolfgang Beißmann engagiere sich sehr für den Erhalt des Clubs, hieß es. Dass sich der Rest des Stadtrats weitgehend bedeckt halte, sei für hunderte junge Menschen in Pfarrkirchen und Umgebung enttäuschend. Die überregionale kulturelle Bedeutung des Bogaloo werde anscheinend nicht gesehen, so Steinberg.

Reini Wimmer erklärte noch einmal seinen Standpunkt, der ihn zur Schließung des Clubs bewegt hat. „Ich hätte laut Mietvertrag schon noch ein paar Monate weiter machen können, bis klar ist, was aus dem Gebäudekomplex wird. Aber das wollte ich nicht mehr. Ich wollte, dass die Politik und die Gesellschaft endlich auf das Problem aufmerksam gemacht wird.“ Man verliere die Subkultur in Niederbayern. Dies scheine niemand zu sehen.

Zur gesunden Entwicklung von Städten und Dörfern gehöre nicht nur die Kita und das Altenheim, so Wimmer. Die Clubs, die es in Niederbayern gibt, seien echte Lebensqualität für die Region. „Ich möchte den jungen Menschen sagen: Steht auf, geht zu euren Stadträten, geht zu den Politikern und sagt ihnen, sie müssen endlich etwas tun.“

Laut Mia Goller müssten die Grünen diesen Punkt im Kommunalwahlkampf in ganz Niederbayern unterstreichen. „Wir lassen das Wirtshaus im Dorf und den Club auf dem Land. Wir wollen, dass Rottal-Inn und alle anderen Landkreise, dass die Kommunen und Gemeinden die kulturellen Schätze in ihrer Heimat als solche wahrnehmen und auch behandeln.“ Man brauche Konzepte, um junge Kultur neben dem Theater und den anderen wichtigen etablierten Einrichtungen zu stärken. Goller: „Das kostet Geld, aber das müssen wir uns wert sein.“

Quelle: Passauer Neue Presse vom 22.01.2019
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