Matthias Weigl, Landesschülersprecher 2016/2017

Matthias Weigl war 2016/17 Landesschülersprecher. - Foto: Kultusministerium

„Absolut demotivierend“

Landesschülersprecher klagen über mangelndes Interesse von Abgeordneten und nennen als Negativbeispiel den Passauer Gerhard Waschler

MdL Gerhard Waschler steht in der Kritik, weil er einen Freudenhain-Schüler beleidigt haben soll. Ob es eine falsch verstandene flapsige Bemerkung war oder mutwillige Ehrverletzung – darüber streiten sich nicht nur die Beteiligten. Der CSU-Abgeordnete Waschler ist auch bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion. In dieser Funktion ist er mehrfach mit einem anderen Schüler aneinandergeraten: Matthias Weigl (18) vom Leopoldinum war im Schuljahr 2016/17 Landesschülersprecher. Und er ist nicht gut zu sprechen auf Waschler.

„Ich habe damals schon überlegt, die Sache öffentlich zu machen“, sagt Weigl. Er habe sich dagegen entschieden, weil er das Verhältnis nicht weiter belasten wollte und fürchtete, es könnte nachteilig für die Arbeit des Landesschülerrats sein. „Jetzt ging der Vorfall in Freudenhain durch die Medien – eigentlich ja eine Nebensächlichkeit, die sich hochgeschaukelt hat. Aber der Umgang des Abgeordneten mit den Schülern entspricht genau dem, was ich erlebt habe.“ Und deshalb möchte er jetzt doch darüber sprechen. Dass er als Landtagskandidat der Grünen direkter Konkurrent Waschlers ist, habe damit nichts zu tun, sagt Weigl: „Die Vorfälle spielen schon vor dieser Zeit. Und es geht auch darum, wie junge Leute grundsätzlich in der Politik behandelt werden.“

Viele Bildungspolitiker seien dem Landesschülerrat respektvoll begegnet, sagt Weigl. Dennoch mache er immer wieder die Erfahrung, dass es für junge Menschen schwer ist, Gehör zu finden. „Da muss man sich nicht wundern, dass junge Leute nicht begeistert von Politik sind – wenn man solche, die motiviert wären, so abschätzig behandelt.“

Zur Arbeit des Landesschülerrats, der sich aus Vertretern aller Schularten zusammensetzt, gehören auch Treffen mit den Bildungspolitischen Sprechern aller im Landtag vertretener Parteien. „Einige haben uns initiativ eingeladen. Bei Herrn Waschler mussten wir anfragen. Mitte März letzten Jahres haben wir einen Termin für ein gemeinsames Gespräch bekommen, das dann auch noch denkbar schlecht verlaufen ist.“
Neben Gymnasialvertreter Weigl waren Filippos Papageorgiou für die beruflichen Schulen und Philipp Krömer für die Mittelschulen dabei. Gerade der Umgang mit Krömer sei dem Trio sauer aufgestoßen. Dieser beklagte das geringe Ansehen seiner Schulart. „Da sitzt jemand und sagt: Viele Schülerinnen und Schüler schämen sich dafür, auf die Mittelschule zu gehen. Und Herr Waschler streitet alle Alltagsprobleme, die wir als Schülervertreter vorgetragen haben, einfach ab“, fasst Weigl zusammen. Krömer selbst schreibt in einer E-Mail über das Treffen: „Es wurden nicht nur Probleme totgeschwiegen und erst gar nicht beachtet, es wurde von Seiten des Regierungsvertreters auf eine unhöfliche, fast schon herablassende Art und Weise kommuniziert, die uns gewählten Landesschülervertretern klar machten sollte, dass wir nicht sonderlich viel zu sagen haben. (…) Speziell ich fühlte mich nicht ernst genommen und teilweise persönlich attackiert. (…) Dieses Gespräch wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.“
„Wir haben großen Wert darauf gelegt, mit allen im Landtag vertretenen Parteien im Gespräch und parteipolitisch möglichst neutral zu sein. Für unsere Treffen mit Vertretern der Opposition mussten wir uns scharfe Kritik gefallen lassen“, sagt Weigl. Während des Gesprächs, schildert er, habe Waschler teilweise auf sein Handy geschaut und wenig Interesse gezeigt. „Es war nett, dass er sich die Zeit genommen hat“, sagt der Schüler, „aber ich glaube nicht, dass er irgendetwas von unseren Anliegen mitgenommen hat. Solche Erfahrungen sind absolut demotivierend.“

Gerhard Waschler sagt auf Nachfrage, an konkrete Inhalte könne er sich nach einem Jahr nicht mehr erinnern. Die Kritik möchte er aber so nicht stehen lassen: „Natürlich werden alle Probleme und Anregungen ernst genommen. Es ist aber so, dass man nicht immer alle Wünsche erfüllen kann. Nicht jede Idee ist umsetzbar, auch wenn sie gut sein mag.“ Gerade die Kritik Krömers weist Waschler entschieden zurück: „Ich habe erst vor wenigen Wochen die Veranstaltung ,Vom Wert der beruflichen Bildung‘ mit hochrangigen Vertretern von IHK, Handwerkskammer oder Schulen initiiert, bei der es genau um eine solche Imageverbesserung ging. Das Kernanliegen ist also nachweisbar erfüllt worden.“

Dass das Verhältnis mit den Landesschülersprechern angespannt war, räumt Waschler ein: „Ich rede mit jedem. Aber mit manchen kommt man schneller auf einen gemeinsamen Nenner als mit anderen.“ Das Gespräch mit den aktuellen Landesschülervertretern, das vor kurzem stattgefunden hat, sei „sehr konstruktiv und für beide Seiten gewinnbringend verlaufen“.

Ein Ärgernis war für Weigl persönlich eine angebliche Beschwerde Waschlers bei seiner Schule, weil er sich im Bildungsausschuss unangemessen benommen habe. Weigl hatte an dem Tag eine Petition des Landesschülerrats vorgestellt, ein Redebeitrag von zwei Minuten, keine Diskussion. „Dankenswerterweise hat der Ausschussvorsitzende Martin Güll noch am gleichen Vormittag bei der Schule angerufen und klargestellt, dass es von meiner Seite keinerlei Fehlverhalten während der gesamten Sitzung gab. Es stellte sich heraus, dass mein Vergehen war, Herrn Waschler nicht mit Handschlag begrüßt zu haben“, sagt Weigl, „Martin Güll hat mir im Nachhinein versichert, dass es unüblich sei, dass sich Petenten einzeln vorstellen.“ Auch hier widerspricht der CSU-Abgeordnete. „Natürlich spreche ich mit dem Schulleiter des Leopoldinums, zumal ich selbst früher an der Schule tätig war. Ich habe mit ihm sicher auch über Herrn Weigl gesprochen. Aber nie mit der Absicht, dass er in sein Büro zitiert werden muss. Eine offizielle Beschwerde gab es definitiv nicht.“

Zuletzt nennt Weigl eine Einladung zur Preisverleihung des Wettbewerbs „Lebe Toleranz“, die der Landesschülerrat veranstaltet hatte: „Darauf gab es gar keine Antwort, nicht mal eine Absage. Dabei war das Leopoldinum unter den vier Preisträgern.“ Waschler bedauert das. „Eine solche Veranstaltung hätte für mich höchste Priorität gehabt. Ich wäre sehr gern gekommen. Mein Büro arbeitet sehr zuverlässig, aber dass einmal etwas übersehen wird, kann man nie ausschließen.“

Dass er auch gute Erfahrungen mit Vertretern der CSU gemacht hat, möchte Weigl aber noch betonen: „Landrat Franz Meyer zum Beispiel hat sich in einem handschriftlichen Brief persönlich für mein Engagement bedankt. Das hat mich sehr gefreut.“

Quelle: Passauer Neue Presse vom 06.04.2018

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